Großbritannien will an lockerer Geldpolitik festhalten

Die Briten und der Brexit – das ist eine nicht enden wollende Geschichte. Während man auf der Insel relativ locker mit dem Thema Brexit umgeht, ist der Rest von Europa hysterisch und orakelt, dass Großbritannien kurz vor dem Sturz in den Abgrund steht. Das hält die britische Notenbank nicht davon ab, weiterhin auf eine eher lockere Geldpolitik zu setzen. Gleichzeitig wird aber die Möglichkeit einer Straffung in Aussicht gestellt. Was ist von diesen beiden gegensätzlichen Meldungen zu halten?

Die Kurse steigen

die Briten

Die Briten in der Zwickmühle

Aus einem Protokoll der Bank of England geht hervor, dass man sich darüber einig ist, dass eine geldstraffende Politik schneller kommen könnte, als ursprünglich gedacht. Es kann sogar schon in wenigen Monaten so weit sein, eine Nachricht, auf die das britische Pfund mit Kursgewinnen gegenüber vielen anderen Währungen regierte. So legte die durch den Brexit geschüttelte britische Währung gegenüber dem Dollar und dem Euro um 0,8 % zu. Noch stärker waren die Gewinne zum Schweizer Franken, ebenfalls sind auf dem britischen Kapitalmarkt die Renditen für Staatsanleihen angestiegen.

Wann kommt die erste Zinserhöhung?

Die internationalen Finanzmärkte haben mit der ersten Erhöhung der Zinsen vonseiten der Bank of England frühestens im Frühjahr des kommenden Jahres gerechnet. Ursprünglich war diese Zinsstraffung sogar für 2019 erwartet worden. Die Signale aus Großbritannien legen aber nah, dass es vielleicht schon in diesem Jahr der Fall sein könnte. Allerdings sind es nur zwei Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses, die sich für eine Anhebung der Zinsen aussprechen. Die wirklich wichtigen Leute, wie der Chefvolkswirt Andrew Haldane und Mark Carney, der Chef der Notenbank, gehören nicht zu den Befürwortern. So wie es jetzt aussieht, wird die britische Notenbank weiter an ihrer sehr lockeren Geldpolitik festhalten und das trotz einer anziehenden Inflation. Der Leitzins bleibt bei 0,25 %.

Mit Bedacht reduziert

die Geldpolitik

Eine eher lockere Geldpolitik

Als feststand, dass die Briten die EU verlassen, wurde das Zinsniveau reduziert. Damals hatten die meisten Analysten mit einer anderen Entscheidung der Notenbank gerechnet. Auch der Umfang der Wertpapierankäufe zur Stützung der Konjunktur wurde nicht verändert, anders als es die Analysten vorhergesehen haben. Die Geldpolitik der Briten nach dem Brexit ist in einer Zwickmühle. Für einen niedrigen Leitzins sprechen ein schwächeres Wachstum der Wirtschaft und der immer noch ungewisse Ausgang der Verhandlungen über den Brexit. Auf der anderen Seite liegen die Briten mit einer Inflation von 2,9 % ganz klar über dem Zielwert der Notenbank von zwei Prozent. Für sich genommen spricht das für einen deutlich höheren Leitzins. Experten sind sich jedoch einig, dass die Bank of England im Ernstfall die Konjunktur stützen und nicht den Leitzins erhöhen wird.

Nicht nur in Großbritannien

Es sind nicht nur die Briten, die noch auf eine eher lockere Geldpolitik setzen, auch in der Schweiz ist ähnliches zu beobachten. Die Schweizer Nationalbank hat bestätigt, dass die Ausrichtung weiter expansiv aussehen wird. Der Zinssatz auf Sichtanlagen bei der SNB liegt aktuell bei 0,75 %, das Ziel für den Dreimonats-Libor bleibt aber weiterhin zwischen minus 1,25 % und 0,25 %. Das Ziel der Schweizer Nationalbank ist es, die Entwicklung der Preise weiter zu stabilisieren, um so die Aktivitäten der Wirtschaft besser unterstützen zu können. Der Schweizer Franken wird auch weiterhin sehr hoch bewertet, allerdings ist die Lange auf dem Devisenmarkt immer noch sehr fragil.

Bildquellen: „die-briten.jpg“ Pixaline – pixabay.com / „die-geldpolitik.jpg“ stux – pixabay.com

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