AnaCredit – die neue Datenbasis für Kreditgeschäfte in der EU

Zentrale Datenbank registriert Kredite

Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) führt zur Registration der Kreditvergaben innerhalb der EU eine Datenbasis ein: AnaCredit, beziehungsweise: Regulation of the European Central Bank on the collection of granular credit and credit risk data. Am 18. Mai dieses Jahres hat der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen, was die Ratsmitglieder bereits seit dem Jahr 2014 beschäftigt hatte. Die Einführung einer Datenbank, die alle Kredite, ausgenommen sind außerbilanzielle Geschäfte und Derivate, die innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes vergeben werden, registriert. Vereinzelt führen Länder der EU bereits ähnliche Kreditregister, zum Beispiel Spanien oder Italien, doch sind diese unterschiedlich ausgeprägt. In Deutschland hingegen gibt es eine solche zentrale Datenspeicherung nicht. Obwohl zunächst geplant war, auch die Kreditgeschäfte natürlicher Personen zu erfassen, hat man sich zunächst darauf geeinigt, alle diejenigen Kredite zu registrieren, die nicht an natürliche Personen vergeben werden und einen Ausgabewert von 25.000 Euro betragen oder übersteigen.

AnaCredit soll Prozesse vereinfachen und Kosten sparen

Im Einzelnen bedeutet das, dass die jeweiligen Finanzdienstleister die Informationen eines verliehenen Kredits sowie die Stammdaten der dazugehörigen Kreditnehmer an die zentrale Datenbank melden. Damit stehen für den gesamten europäischen Wirtschaftsraum die gesammelten Daten der Kreditmärkte zur Verfügung. Für verschiedene staatliche Institutionen soll sich daraus ein Vorteil ergeben. Mit AnaCredit können statistische Werte in Zukunft viel einfacher erhoben und in Bezug auf Gefahren möglicher Finanzkrisen analysiert werden. Es bietet einen Überblick über die Verfügbarkeiten von Krediten und gibt Aufschluss über die aktuellen Auswahlkriterien für Kreditabsicherungen. Nicht zuletzt ist das Programm zudem praktisch für die Bonitätsbeurteilung der Kreditnehmer. Denn AnaCredit ist auch dazu gedacht, eine standardisierte Grundlage der Bonitätsanalyse darzustellen und es soll in den Ländern der EU den Aufbau solcher Verfahren fördern, die noch kein Bonitätsanalyse-Verfahren nutzen. Des Weiteren soll die Datenbank die Kosten für das bankstatistische Meldewesen reduzieren, weil Doppel- oder Sondererhebungen nicht mehr nötig sein werden.

Meldepflichtige Daten

Die meldepflichtigen Daten für Kredite ab dem 01. September 2018 umfassen 22 Merkmale zu den Kreditnehmern sowie 67 Merkmale zu den Krediten. Kleinere Banken mit einem Kreditvolumen von weniger als zwei Prozent des Marktanteils müssen insgesamt nur 26 Merkmale melden, da sie über einen geringeren Datenkranz verfügen. Für die Bestandskredite sind die zu übermittelnden Datenmengen auf insgesamt 17 Merkmale reduziert, da die Institute die Daten nachfordern müssten und dies einen erheblicher Aufwand wäre. Die reguläre Meldepflicht ist ab Januar 2018 vorgesehen.
So ein europaweites Kreditregister birgt natürlich auch Risiken, zum Beispiel was den Datenschutz betrifft. Denn nicht alle Länder haben diesbezüglich die gleichen Richtlinien. Darum verpflichtet die EZB die EU-Länder mittels einer Verordnung, die nationalen und europäischen Schutzvorschriften in Verbindung mit dem neuen Datensystem unbedingt einzuhalten.

Datenbank soll die Geldpolitik unterstützen

AnaCredit macht wirtschaftswissenschaftliche Analysen zum Kreditgeschäft länderübergreifend möglich

Im Allgemeinen wird die Datenbank in Kraft gesetzt, um die Finanzstabilitätsüberwachung der europäischen Zentralbanken, das Risikomanagement und die Geldpolitik zu unterstützen. Auch andere Institutionen profitieren von der Datensammlung, etwa der Internationale Währungsfonds, die Europäische Kommission sowie der Europäische Ausschuss für Systemrisiken. Damit werden zum Beispiel auch wirtschaftswissenschaftliche Analysen zu den Auswirkungen der Geldpolitik auf Angebot und Nachfrage von Krediten länderübergreifend möglich sein.
Ob es in Zukunft auch für natürliche Personen Meldepflichten geben wird, wurde bisher nicht kommuniziert. Zunächst soll ermittelt werden, wie hoch der Kosten-Nutzen-Faktor von AnaCredit tatsächlich ist.

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