Die EZB verlängert – die Zinsen bleiben unten

Des einen Leid ist des anderen Freud – so könnte man die fragwürdige Geldpolitik der Europäischen Zentralbank auch nennen. Während sich die finanziell schwachen Schuldenstaaten im Süden von Europa freuen, wächst der Ärger in den finanziell stabilen Staaten im Norden des Kontinents. Nur wirkliche Optimisten haben noch daran geglaubt, dass Mario Draghi, der Präsident der EZB, die Zinsen wieder anheben würde, aber Draghi machte bei der Ratssitzung im estnischen Tallinn schnell klar, dass die Zinsen bleiben wo sie sind – ganz weit unten.

Nicht noch tiefer

Europas Zukunft

Die europäische Zukunft, wie sieht sie aus?

Er ist Politiker, Sparfuchs und Unternehmer, Mario Draghi, der frühere Banker bei Goldman Sachs. Für die Länder im Norden von Europa aber ist der Währungshüter ein Unglücksbote, der die Zinsen einfach nicht aus dem Tief holen will. Aber es gibt tatsächlich einen winzigen Lichtblick im dunklen Tal der Nullzinspolitik, denn Mario Draghi hat durchblicken lassen, dass die Zinsen nicht noch tiefer sinken werden. Das ist schon bemerkenswert und dieser winzig kleine Hinweis wird direkt als ein Riesenschritt weg von ultralockeren Geldpolitik der EZB gewertet. Für die Sparer hingegen ändert sich überhaupt nichts, sie können nicht darauf hoffen, dass die Zinsen angehoben werden.

Es wird weiter gekauft

Mario Draghi verbrachte viel Zeit damit, zu erklären, wie die EZB arbeitet und warum sie so und nicht anders agiert. Draghi erklärte aber auch, dass die milliardenschweren Anleihekäufe nicht nur weitergehen, sie werden vielmehr noch ausgeweitet. In den Schuldenländern im Süden von Europa wird man diese Worte sehr gerne gehört haben, denn sie müssen sich keine Sorgen mehr machen, dass die EZB vielleicht doch noch auf die Idee kommen könnte, ihnen durch höhere Zinsen das Leben schwer zu machen. Anders sieht es in Deutschland aus, denn hier wächst der Unmut über die niedrigen Zinsen und die milliardenschweren Summen, die die Notenbank mit ihrem zweifelhaften Anleihekaufprogramm anhäuft.

Wie sieht die Zukunft aus?

geldpolitik der EZB

Die Geldpolitik der EZB

Wie sieht die europäische Zukunft aus? Es ist nicht so wichtig, dass der Club der Schuldenstaaten im Süden von Europa noch mehr Spielraum für seine Erholung braucht. Wichtig ist aber, dass der finanziell stabile Norden endlich einen glaubwürdigen Plan für den Ausstieg aus dem monetären Ausnahmezustand präsentieren kann. Interessant ist die sture Geldpolitik der Europäischen Zentralbank auch im Hinblick auf die kommende Bundestagswahl im September, denn die Zurückhaltung von Mario Draghi wird sehr wahrscheinlich der Vorwand sein, die EZB populistisch sehr hart zu kritisieren und auch zu attackieren. Wenn es so weit kommt, dann wird das weder der EZB noch den deutschen Politikern egal sein.

Draghi bleibt vorsichtig

Mario Draghi ist vorsichtig geworden und betonte in der estnischen Hauptstadt, dass er sich durchaus vorstellen könnte, die Zinsen noch einmal zu senken. Damit drückte er sich einmal mehr unklar aus und ließ die Finanzexperten ein wenig ratlos zurück. Auch dass sich Draghi zur Übernahme der Banco Popular durch die Santander Bank nicht geäußert hat, sorgte für Verwirrung, denn mit dieser Übernahme für einen symbolischen Euro ist es zum ersten Mal im Euroraum gelungen, eine Bank vom Markt zu nehmen, ohne dass dafür der Steuerzahler aufkommen musste. Mario Draghi hat seine Aufgabe in dieser Sache nur so verstanden, dass die spanische Banco Popular aus Liquiditätsgründen nicht mehr überleben konnte.

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