Erste Anzeichen – steigen die Zinsen bald wieder an?

Noch hält die Europäische Zentralbank an ihrer Null-Zins-Politik fest, aber es gibt erste zaghafte Anzeichen, dass sich diese Politik vielleicht bald ändern könnte. Schon im April dieses Jahres hat die EZB damit begonnen, den monatlichen Ankauf von Anleihen herunterzufahren, und das gilt als Zeichen dafür, dass die Zinsen bald wieder steigen könnten. Das Ziel der EZB ist es, die Inflationsrate in Europa leicht unter die Grenze von zwei Prozent zu drücken und dieses Ziel ist jetzt offenbar zum Greifen nah.

Es kann zu Turbulenzen kommen

Reaktionen des Marktes

Wie reagieren die Märkte?

Viele Ökonomen sind davon überzeugt, dass die EZB das Volumen ihrer Anleihenankäufe stark verringern wird, vorausgesetzt, die Inflation und das wirtschaftliche Wachstum lassen das auch zu. Ein abruptes Ende des Anleihenprogramms wäre aber keine allzu gute Idee, dann das kann für gefährliche Turbulenzen auf dem Finanzmarkt sorgen. Experten gehen davon aus, dass der Anleihenankauf im März des nächsten Jahres deutlich zurückgefahren und der Leitzins moderat erhöht wird. Mit einem solchen moderaten Anstieg würden die Schrecken der Anleger vor negativen Zinsen langsam, aber sicher verblassen. Die Banken werden die Zinsen nicht sofort erhöhen, aber die Anleger können mit einer höheren Verzinsung für ihre Sparguthaben rechnen. Erst vor Kurzem gab es eine Andeutung der EZB, dass sich die extrem lockere Geldpolitik ändern könnte, und schon stiegen die Zinsen für Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren an.

Wer kann man meisten profitieren?

Für welche Anleger besteht Handlungsbedarf, wenn die Zinsen wieder ansteigen? Alle, die in Anlagen mit einer langen Laufzeit investiert haben, oder bei denen Refinanzierungen anstehen, die schon länger laufen, die sollten zeitnah handeln. Alleine die Aussagen, dass es ein schnelles Ende des Ankaufsprogramms von Anleihen geben könnte, wird die Finanzmärkte überall auf der Welt deutlich volatiler machen. Zudem sind Kursschwankungen jederzeit möglich und die Aktienkurse könnten sich nach unten bewegen, wenn sich die Ereignisse zuspitzen.

Wie könnten die Märkte reagieren?

Als Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank im Juni dieses Jahres andeutete, dass es mit der lockeren Geldpolitik eventuell bald ein Ende haben könnte, schoss der Euro sprunghaft nach oben und der Dax, der deutsche Aktienindex, sackte von seinem Höchststand um knapp 1000 Punkte nach unten. Private Anleger sollten Vorsorge treffen, um die Kurschwankungen zu kompensieren. Finanzexperten raten, das Geld auf Anlagen mit unterschiedlichen Laufzeiten aufzuteilen. Wichtig ist es auch, sich von der Hysterie der Märkte nicht anstecken zu lassen, es kommt auf das richtige Timing für den Markt an. Einfach zu verkaufen und dann zu hoffen, dass man in ein paar Tagen oder Wochen zu günstigen Konditionen wieder einsteigen kann, funktioniert in der Praxis leider nicht.

Auf die reale Rendite achten

sparen und Rendite

Die Sparer müssen auf die Rendite achten

Für Sparer ist es wichtig, auf eine reale Rendite zu achten und die zeigt sich nur, wenn bei der tatsächlichen Verzinsung von Sparguthaben auch die Inflationsrate berücksichtigt wurde. Immer noch haben viele Sparer ihr Geld auf Tages- oder Festgeldkonten liegen, das mit mageren 0,5 % verzinst wird. Da aber der Zinssatz unterhalb der Inflationsrate liegt, vermehrt sich das Geld der Anleger nicht. Im Gegenteil, sie verlieren auf diese Weise ihr Erspartes. Sollte die EZB tatsächlich die Zinsen anheben, dann sollte das Geld erst einmal bleiben, wo es ist. Auch wenn es etwas Geduld erfordert, aber die Zinserhöhungen werden erst nach einer bestimmten Zeit bei den Anlegern ankommen. Es gilt also, erst einmal abzuwarten.

Bildquellen: „reaktionen-des-marktes.jpg“  khfalk – pixabay.com / „sparen-und-rendite.jpg“  Gellinger – pixabay.com

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