Kein Sparer hat ein Recht auf Rendite

Wenn die Europäische Zentralbank nicht die Notbremse gezogen und die Zinsen gesenkt hätte, dann wäre der Euro als gemeinschaftliche Währung schon lange Geschichte. Mario Draghi, der Chef der EZB hat am 26. Juli 2012 mit nur einem einzigen Satz Geschichte geschrieben, als er sagte, dass er alles tun wird, den Euro zu bewahren, um Europa vor einer wirtschaftlichen Katastrophe zu schützen. Mit diesem Satz schlug Draghi von einer auf die andere Minute eine Brücke über einen gravierenden Konstruktionsfehler der Währungsunion in Europa, aber er opferte dafür die Möglichkeit der Bürger, ihr Geld gewinnbringend anzulegen.

Auf Gedeih und Verderb

die Eurozone

Markante Fehler in der Eurozone

Der Euro schweißt die Mitgliedsstaaten auf Gedeih und Verderb aneinander, aber leider stehen die Staaten nicht füreinander ein. Das ist der Grund, warum einige Staaten im Mittelmeerraum auch der Bankrott droht. Wenn zum Beispiel Griechenland gefallen wäre, dann hätte es das Ende der Eurozone bedeutet. Draghi setzte dagegen und verhalf der Europäischen Zentralbank zu großer Macht. Er stellt unmissverständlich klar, dass keine Staatsanleihe in der Eurozone unbezahlt ausfallen werde, da die Zentralbank dafür einstehen wird. Es war diese Ankündigung, die ausgereicht hat, um die Zinsen wieder auf ein normales Niveau zu senken, denn gegen die Zentralbank sind alle, die spekulieren wollen, völlig machtlos.

In den USA und Japan Normalität

Mit seinem Handeln verschaffte der Chef der EZB den Ländern der Eurozone den gleichen Status, wie es für andere Währungsräume zum Beispiel in den USA oder auch in Japan schon lange eine Selbstverständlichkeit ist. Nach dem Zusammenbruch der Lehman Bank stieg in diesen Staaten die Verschuldung enorm an, in den USA waren es sogar 100 % der Wirtschaftsleistung, in Japan war es das Doppelte. Trotzdem rechnet niemand mit einem Ausfall von amerikanischen und japanischen Staatsanleihen. Die Zentralbanken sind der Teil eines Staates und sie sind immer zahlungsfähig. Nach nunmehr fünf Jahren zeigt sich, dass Mario Draghi richtig gehandelt hat, denn ohne sein Handeln wäre der Erfolg der deutschen Wirtschaft nicht möglich gewesen.

Die Sparer sehen das anders

Sparer wollen Zinsen

Sparer wollen wieder ordentliche Zinsen

Der bayrische Finanzminister Markus Söder sprach im Zusammenhang mit der Zinssenkung durch die EZB von einer „schleichenden Enteignung der Sparer“, da diese keine Erträge mehr für ihr Sparguthaben bekommen. Empört ist auch Mario Ohoven, der Präsident der Mittelstandsvereinigung, nachdem auch bei der letzten Sitzung des Zentralbankrats keine Zinserhöhung in Aussicht gestellt wurde. Für die Presse ist der Nullzins eine „Sauerei“, der die deutschen Bürger jedes Jahr 36 Milliarden Euro kostet. Aber dieser Streit geht am eigentlichen Problem vorbei und setzt dazu auf falsche Annahmen. Der Zinsgewinn, der vor 2012 auf die Sparguthaben gezahlt wurde, war nach Ansicht der Bundesbank eine Illusion, negative Zinsen waren mehr die Regel als die Ausnahme. Nur weil die Geldentwertung damals viel schneller lief, konnte man das leichter verstecken.

Nur für den Kapitalmarkt

Den Sparer interessiert die große Politik der Notenbanken nicht, sie wollen wieder ordentliche Zinsen für ihr erspartes Geld erhalten. Aber sie sind auch verärgert, denn die Notenbanken haben die Billionen, die sie den Sparern nicht mehr zahlen wollten, in den Kapitalmarkt geschleust und nicht für dringend notwendige Investition genutzt. Alleine in Deutschland wurden 250 Milliarden Euro eingespart, die unter normalen Umständen als Zinsen auf die Tagesgeldkonten und Sparbücher geflossen wären. Was mit dem eingesparten Geld geschehen ist oder noch geschieht, das weiß niemand so recht, vielleicht sind die Sparer deshalb so wütend.

Bildquellen: „sparer-wollen-zinsen.jpg“ jarmoluk – pixabay.com / „die-eurozone.jpg“ UschiL – pixabay.com

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