Sitzt Deutschland in der Zinsenfalle?

Der Januar war ein historischer Monat für Deutschland, denn die Inflation lag bei fast zwei Prozent und erfüllte damit das geplante Ziel der Europäischen Zentralbank. Wer sich jetzt über steigende Zinsen freut, der freut sich zu früh, denn Mario Draghi, der Chef der EZB, sitzt in einer Art Zwickmühle. In Deutschland steigen die Preise, die Notenbank der USA hebt die Zinsen an, aber die EZB bleibt mit ihrem niedrigen Zinsen auf Kurs. Angeblich kann sich Europa eine Zinswende nicht leisten, denn das würde zu einer Krise führen und für diese Krise gibt es einige gute Gründe.

Die EZB sieht keinen Grund zum Handeln

Die Zinsen sind im Keller

In Deutschland steigt die Inflation viel schneller als in den restlichen Ländern der Eurozone. Für die EZB ist das aber noch lange kein Grund zum Handeln. Bei der EZB schaut man nicht auf die Entwicklung der Verbraucherpreise im Allgemeinen, man konzentriert sich dort lieber auf die Kerninflation. Dabei spielen die deutlich angestiegenen Energiekosten keine Rolle, denn noch liegt die Inflation knapp unter der gewünschten Zwei-Prozent-Grenze. Mario Draghi will erst einmal abwarten und wird vielleicht erst in eine andere Richtung steuern, wenn die Inflation nachhaltig und damit ohne die Hilfe der EZB steigt. In diesem Fall könnte der Chef der EZB behaupten, dass die EZB nicht schuld daran ist, wenn die Inflation anzieht. So bleibt immer die Möglichkeit, die Länder in Südeuropa weiter unterstützen zu können.

Die Schulden müssen billig bleiben

Das drohende Gespenst der Inflation

Der vielleicht wichtigste Grund, warum die EZB die Zinsen nicht erhöht, ist die extrem hohe Verschuldung der Staaten in Südeuropa. Länder wie Griechenland oder Italien können sich momentan so billig Geld leihen wie nie zuvor, es gibt jedoch ein großes Problem: Sollten die Zinsen steigen, dann wird die Bedienung der Schulden deutlich schwerer und für die Pleitestaaten letztendlich unbezahlbar. Besonders für das krisengeschüttelte Italien könnte das schlimme Auswirkungen haben, denn die Italiener sind ebenso reformresistent wie die Griechen. Jedoch in Italien verfügt man über das größere Potenzial, der EZB zu drohen, denn Italien hat die Trumpfkarte Staatsanleihen in der Hand. Sollte die italienische Wirtschaft tatsächlich kollabieren, dann würden die Rettungsmaßnahmen der EZB nicht mehr ausreichen, daher bleiben die Zinsen niedrig, um dem Land mit Anleihenkäufen unter die Arme greifen zu können.

In den USA gibt es eine Zinswende

In den USA hat die Notenbank schon damit begonnen, die Leitzinsen anzuheben, sie will diesen Weg auch weitergehen, was die EZB stark unter Zugzwang bringt. Wenn die Europäische Zentralbank bei ihrer Niedrigzinspolitik bleibt, dann wird der Dollar gegenüber dem Euro aufgewertet. Alles, was importiert werden muss, das wird für die Verbraucher in Europa dann deutlich teurer. Zudem müssten die Anleger ihr Kapital abziehen und statt in Europa in Nordamerika investieren, weil dort die Zinsen attraktiver sind. Die EZB müsste eigentlich nachziehen und den Leitzins erhöhen, aber andererseits können die Exporteure in Europa profitieren, wenn der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verliert und genau das ist es, was Mario Draghi aktuell sehr viel wichtiger ist.

Streng genommen betreibt die EZB mit ihrem Handeln eine aktive Finanzierung bestimmter Staaten, aber das ist verboten. So müssen die deutschen Sparer weiter mit extrem niedrigen Zinsen leben und können sich noch nicht einmal dagegen wehren.

Bildquellen: „keine-zinsen.jpg“ / „inflation.jpg“ geralt – pixabay.com

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