Steht eine Zinswende unmittelbar bevor?

„This time hasn´t come yet“ – Diese Zeit ist noch nicht gekommen, diese Worte von Mario Draghi rauben jedem die Illusion, der auf ein Ende der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gehofft hat. Die Inflation sei noch nicht nachhaltig, betonte der Chef der EZB, das Ziel ist nach wie vor ein Wert, der unter zwei Prozent liegt, so Mario Draghi. Was aber auch klar wird, das ist die Tatsache, dass Draghi diesen Kurs nicht mehr sehr lange durchhalten kann. Experten sind sich sicher, dass die EZB es sich nicht leisten kann, auf die veränderte Wirtschaftslage nicht zu reagieren.

Das Wachstum konnte zulegen

die EZB

Wohin steuert die EZB?

Aus der Eurozone gibt es regelmäßig neue Wirtschaftsdaten, die im Moment in die richtige Richtung zeigen. Im April lag die Inflationsrate bei 1,9 % und auch das Wachstum konnte zulegen. Für viele Wirtschaftsexperten ist es daher durchaus im Bereich des Möglichen, dass die Europäische Zentralbank noch im Juni die sogenannte Forward Guidance, also ihre Leitlinien in geldpolitischer Hinsicht ändern wird und dass diese Änderungen im September öffentlich gemacht werden. Diese Aussage der EZB wird vermutlich lauten, dass man aus der expansiven Geldpolitik aussteigen wird. Damit steigt die Hoffnung der Versicherer, der Banken und vor allem der Sparer, die seit Jahren hoffen und unter der fragwürdigen Zinspolitik der EZB leiden.

Die Notenbanken hoffen

Die Notenbanken hoffen nicht nur auf eine Zinswende, sie gehen noch einen Schritt weiter und halten den Zeitplan für sehr realistisch. Die gleiche Meinung vertreten auch einige Ratsmitglieder der EZB, denn für sie sind die Zeichen für einen Ausstieg aus der Niedrigzinsphase sichtbar. Das wird vor allem Jens Weidmann, den Präsidenten der Bundesbank freuen, denn Weidmann gehört zu den schärfsten Kritikern von Mario Draghi. Weidmann hatte bereits im April dieses Jahres eine Diskussion über die Normalisierung der europäischen Geldpolitik als ein legitimes Mittel bezeichnet und für eine Anpassung in den Gesprächen geworben. Der deutsche Banker steht mit seiner Meinung aber nicht alleine da, auch andere Notenbanker, wie zum Beispiel aus den Niederlanden, sehen die Situation sehr ähnlich.

Die Geldpolitik muss wieder normal werden

die Geldpolitik

Kommt die Normalisierung der Geldpolitik?

Was ebenfalls auf eine Zinswende hindeutet, ist das Verhalten im Direktorium der Europäischen Zentralbank. Auch dort spricht man sich für eine Normalisierung der Geldpolitik aus, denn die EZB stehe kurz davor, die großen Risiken für die Wirtschaft als ausgeglichen einzustufen. Damit steht einer Wende nichts mehr im Wege und die seit zehn Jahren andauernde Depression der Sparer und Anleger, die unter der Nullzinspolitik leiden, könnte schon bald ein Ende haben. Das würden auch bedeuten, dass die EZB endlich die Anleihenkäufe stoppt, denn auch diese Maßnahme hat der europäischen Geldpolitik schwer geschadet. Zurzeit liegt der Leitzins bei 0,00 % und die Banken, die ihr überschüssiges Geld bei der EZB „parken“, müssen einen Strafzins von minus 0,4 % zahlen.

Die Zeit der ungewöhnlichen geldpolitischen Maßnahmen vonseiten der EZB ist anscheinend vorbei. Für alle, die ihr Geld gerne wieder auf einem Tagesgeldkonto oder einem Festgeldkonto anlegen wollen, bedeutet das, dass es wieder einen Anreiz zum Sparen gibt. Aber allzu früh sollte sich keiner freuen, denn das letzte Wort hat immer noch Mario Draghi und wenn er eine andere Entscheidung trifft, dann müssen die Sparer auch weiterhin nach anderen lukrativen Renditemöglichkeiten suchen.

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