Was passiert, wenn die EZB die Zinsen anhebt?

Als die Europäische Zentralbank die Zinsen auf null gesenkt hat, konnten viele Unternehmen aufatmen. Vor allem die Unternehmen, die in der Krise waren, bekamen durch die extrem niedrigen Zinsen die Möglichkeit, wieder zu investieren und Schulden abzubauen. Auch den krisengeschüttelten Ländern in Südeuropa wie Spanien, Italien und Griechenland wurde geholfen, sie konnten finanzielle Engpässe besser überwinden und ihren Haushalt in Ordnung bringen. Aber was würde passieren, wenn die EZB die Zinsen plötzlich wieder anhebt?

Nicht allen wurde geholfen

die Zinspolitik der-EZB

Die Null-Zins-Politik der EZB

Vielen Unternehmen wurde durch die Null-Zins-Politik geholfen, aber längst nicht allen. Noch immer gibt es rund 800.000 Firmen und Konzerne im Euroraum, die große Probleme bekommen, wenn die EZB die Zinsen plötzlich wieder anhebt. Alleine in Italien sind acht Prozent aller Unternehmen nach wie vor in einer prekären finanziellen Lage. In Griechenland sind es neun Prozent, in Frankreich und Spanien kämpfen fünf Prozent der Unternehmen ums Überleben. Wenn die EZB die Zinsen wieder nach oben schraubt, dann sind diese Unternehmen in akuter Gefahr. Deutsche Unternehmen sind hingegen nicht gefährdet, hier gibt es nur knapp ein Prozent der Firmen, die auf wackeligen Beinen stehen. Entspannt hat sich die Situation in Portugal und in Irland, zwei ehemalige Krisenländer, die sich wieder gefangen haben.

Es gibt wieder mehr Arbeitslose

Die Probleme von 300.000 Unternehmen in Italien, 180.000 Unternehmen in Frankreich und 120.000 Unternehmen in Spanien werden bei einer Zinserhöhung nicht kleiner, eher im Gegenteil. Diese Firmen werden schwere finanzielle Probleme bekommen und die Arbeitslosenquoten in die Höhe schnellen. Zudem würde eine Zinswende eine neue Bankenkrise bedeuten. In den Ländern, die ohnehin schon finanziell am Abgrund stehen, ist der Anteil der Krisenbanken besonders hoch. Diese Banken haben hohe Kredite aufgenommen, die dann nicht mehr zurückgezahlt werden. Die Summe der notleidenden Kredite wird auf knapp 230 Milliarden Euro geschätzt und Länder wie Italien sind bei einer Zinswende nicht in der Lage, diese Kredite zu bedienen.

Die EZB muss vorsichtig agieren

mögliche Zinsanhebung

Finanzielle Probleme durch Zinsanhebung?

Sollte die Europäische Zentralbank aus ihrer expansiven Geldpolitik aussteigen, dann muss dieser Ausstieg sehr behutsam vonstatten gehen. Es muss der passende Zeitpunkt für eine Erhöhung der Zinsen gefunden werden und es muss sicher sein, dass die Marktzinsen nicht über ihr Ziel hinausschießen, wie das bei der Staatsschuldenkrise im Jahre 2010 der Fall war. Es sind die Zinsen auf Staatsanleihen, die als Orientierungshilfe für alle anderen Zinsen auf dem Markt dienen. Damit werden auch die Zinsen festgelegt, die Unternehmen für Kredite zahlen müssen. 2010 sah sich die EZB gezwungen, einen Ankauf von Staatsanleihen ohne Grenzen zu versprechen, damit sich die Märkte wieder beruhigen. Auch wenn es um die Erhöhung der Zinsen geht, muss die EZB darauf achten, dass die Märkte ruhig bleiben.

Können die Staaten höhere Zinsen verkraften?

Wenn die EZB aus der extremen Geldpolitik aussteigen möchte, dann muss im Vorfeld sichergestellt werden, dass die angeschlagenen Staaten und Unternehmen diesen Wechsel auch wirklich verkraften können. Es braucht eine Konsolidierung der Staatsschulden und der Schulden, die die Unternehmen haben. Zudem braucht die Europäische Zentralbank eine gute Strategie für den Umgang mit den sehr hohen Beständen an notleidenden Krediten in den Bilanzen der Banken. Wenn es bei einer zu schnellen Zinswende zu Verwerfungen kommen sollte, dann hat die EZB keine andere Wahl, als die Zinsen sofort wieder zu senken. Die Folge wäre eine Niedrigzinspolitik, und zwar für einen sehr langen Zeitraum.

Bildquellen: „mögliche-zinsanhebung.jpg“ szmiki95– pixabay.com / „die-zinspolitik-der-ezb.jpg“ kalhh – pixabay.com

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